🧬 Erbkrankheiten

SLC12A6

Solute Carrier Family 12 Member 6

Übersicht

SLC12A6 kodiert einen Kalium-Chlorid-Cotransporter (KCC3), der für die Regulation des Ionenhaushalts in Nervenzellen essentiell ist. Mutationen in diesem Gen führen zum Andermann-Syndrom (auch ACCPN genannt), einer seltenen neurologischen Erkrankung, die durch Agenesis des Corpus callosum und periphere Neuropathie gekennzeichnet ist.

📍 Chromosomale Position

15q14 (Chromosom 15)

🧬 Gen-Kategorie

Erbkrankheiten

🔬 Vererbung

Autosomal rezessiv

📊 Prävalenz

Sehr selten, gehäuft in französisch-kanadischer Population

Funktion & Bedeutung

Der KCC3-Transporter ist entscheidend für die Aufrechterhaltung des Zellvolumens und des Ionengleichgewichts in Neuronen. Er transportiert Kalium- und Chlorid-Ionen aus der Zelle heraus, was besonders wichtig für die Entwicklung und Funktion des Nervensystems ist.

Bei Mutationen in SLC12A6 ist dieser Transport gestört, was zu einer Schwellung von Nervenzellen und Beeinträchtigung der Myelinisierung führt. Dies erklärt sowohl die strukturellen Anomalien im Gehirn (fehlende Verbindung zwischen den Hirnhälften) als auch die periphere Neuropathie.

🔬 Corpus Callosum

Das Corpus callosum ist die größte Verbindungsstruktur zwischen den beiden Gehirnhälften. Bei Agenesis (vollständiges Fehlen) oder Hypoplasie (Unterentwicklung) können verschiedene neurologische Symptome auftreten, von mild bis schwer.

Assoziierte Krankheiten

  • 🧠 Andermann-Syndrom (ACCPN)

    Agenesis des Corpus callosum mit peripherer Neuropathie, psychomotorische Retardierung

  • 🦵 Progressive Neuropathie

    Fortschreitende Schwäche und Sensibilitätsverlust in den Extremitäten

  • 🧩 Entwicklungsverzögerung

    Verzögerte motorische und kognitive Entwicklung im Kindesalter

🧬 Relevante SNPs

rs121908472 15:48933925
Allel 1
G
/
Allel 2
A

Bedeutung: 2436delG - Frameshift-Mutation, die in der französisch-kanadischen Population besonders häufig ist. Führt zu einem vorzeitigen Stopp-Codon und einem nicht-funktionellen Protein.

⚕️ Klinische Bedeutung

Das Andermann-Syndrom wird meist in der frühen Kindheit diagnostiziert, wenn Entwicklungsverzögerungen und neurologische Symptome auffallen. MRT-Bildgebung zeigt die charakteristische Corpus-callosum-Agenesie.

Management: Es gibt keine kurative Therapie. Die Behandlung ist symptomatisch und umfasst Physiotherapie, Ergotherapie, und orthopädische Hilfsmittel für die Neuropathie. Genetische Beratung ist für betroffene Familien wichtig.

📚 Datenquellen

Die Informationen auf dieser Seite basieren auf folgenden wissenschaftlichen Quellen:

  • OMIM: #604878 (SLC12A6), #218000 (ACCPN)
  • dbSNP: rs121908472
  • ClinVar: Pathogene SLC12A6-Varianten
  • PubMed: Literatur zum Andermann-Syndrom
  • Orphanet: ORPHA2090 (Andermann syndrome)

Letzte Aktualisierung: Feb. 2026

Alternative Bezeichnungen

ACCPN KCC3 Agenesis of Corpus Callosum with Peripheral Neuropathy

Verwandte Gene