🧬 Erbkrankheiten

GJB2

Gap Junction Beta 2 / Connexin 26

Übersicht

GJB2 kodiert Connexin 26, ein Gap-Junction-Protein, das für die Kalium-Rezirkulation im Innenohr essentiell ist. Mutationen in diesem Gen sind die häufigste genetische Ursache für kongenitale Taubheit weltweit. Die 35delG-Mutation allein ist für 50-80% aller autosomal rezessiven Taubheitsfälle in kaukasischen Populationen verantwortlich.

📍 Chromosomale Position

13q12.11 (Chromosom 13)

🧬 Gen-Kategorie

Erbkrankheiten

🔬 Vererbung

Autosomal rezessiv

📊 Prävalenz

Trägerfrequenz 2-4% in Europa, häufigste genetische Ursache für Taubheit

Funktion & Bedeutung

Connexin 26 bildet Gap Junctions (Zell-zu-Zell-Kanäle) zwischen den Stützzellen der Cochlea im Innenohr. Diese Kanäle ermöglichen den Austausch von Kalium-Ionen und kleinen Molekülen zwischen benachbarten Zellen. Die Kalium-Rezirkulation ist essentiell für die Aufrechterhaltung des endocochleären Potentials, das für die Schallwahrnehmung notwendig ist.

Bei Mutationen in GJB2 ist die Gap-Junction-Funktion gestört. Dies führt zu einer Akkumulation von Kalium-Ionen in der Cochlea, was die Haarzellen schädigt und zu sensorineuralem Hörverlust führt. Die Taubheit ist typischerweise kongenital (von Geburt an) und nicht-progressiv, kann aber in seltenen Fällen auch später auftreten oder sich verschlechtern.

🔬 Gap Junctions im Innenohr

Gap Junctions sind spezialisierte Zellverbindungen, die aus Connexin-Proteinen bestehen. Im Innenohr bilden Connexin 26 (GJB2) und Connexin 30 (GJB6) ein Netzwerk, das die Kalium-Homöostase aufrechterhält. Störungen in diesem System führen zum Absterben der Haarzellen und damit zu irreversiblem Hörverlust.

Assoziierte Krankheiten

  • 👂 Nicht-syndromale Taubheit DFNB1

    Kongenitale sensorineurale Taubheit ohne weitere Symptome. Schweregrad variiert von mild bis profund.

  • 🧒 Kongenitale Taubheit

    Taubheit von Geburt an, oft bilateral (beide Ohren) und schwer bis profund

  • 🔊 Späteinsetzende Taubheit

    Seltener: progressiver Hörverlust im Kindes- oder Erwachsenenalter

  • 🩺 Keratitis-Ichthyosis-Taubheit-Syndrom (KID)

    Seltene syndromale Form mit Hautveränderungen (nur bei bestimmten Mutationen)

🧬 Relevante SNPs

rs80338939 13:20189539
Allel 1
G
/
Allel 2
-

Bedeutung: 35delG (c.35delG) - Häufigste GJB2-Mutation weltweit. Frameshift-Mutation führt zu vorzeitigem Stopcodon und nicht-funktionalem Protein. Verantwortlich für 50-80% aller autosomal rezessiven Taubheitsfälle in Kaukasier-Populationen. Besonders häufig in Südeuropa und Mittelmeerraum.

rs111033186 13:20189576
Allel 1
T
/
Allel 2
-

Bedeutung: 167delT - Weitere häufige Deletion, besonders in aschkenasisch-jüdischen Populationen. Führt ebenfalls zu Frameshift und nicht-funktionalem Protein.

⚕️ Klinische Bedeutung

GJB2-Mutationen werden in vielen Ländern im Neugeborenen-Hörscreening erfasst. Eine frühe Diagnose ist entscheidend für die Sprachentwicklung. Betroffene Kinder profitieren von:

  • Cochlea-Implantate: Sehr effektiv bei GJB2-assoziierter Taubheit
  • Hörgeräte: Bei milderen Formen
  • Frühe Sprachförderung: Gebärdensprache und/oder Lautsprache

Gentherapie-Forschung: Vielversprechende präklinische Studien zur Gentherapie für GJB2-Mutationen laufen. Erste Tierversuche zeigen Wiederherstellung der Hörfunktion.

Genetische Beratung: Träger haben ein 25% Risiko pro Schwangerschaft, ein taubes Kind zu bekommen. Pränatale Diagnostik ist möglich.

📚 Datenquellen

Die Informationen auf dieser Seite basieren auf folgenden wissenschaftlichen Quellen:

  • OMIM: #220290 (Deafness, Autosomal Recessive 1A)
  • dbSNP: rs80338939 (35delG), rs111033186 (167delT)
  • ClinVar: Pathogene GJB2-Varianten
  • PubMed: Literatur zu GJB2 und kongenitaler Taubheit
  • Orphanet: ORPHA90635 (Autosomal recessive non-syndromic sensorineural deafness type DFNB)
  • Hereditary Hearing Loss Homepage: hereditaryhearingloss.org

Letzte Aktualisierung: Feb. 2026

Alternative Bezeichnungen

CX26 Connexin 26 DFNB1 Gap Junction Protein Beta 2

Verwandte Gene