🧬 Erbkrankheiten

POMT1

Protein O-Mannosyltransferase 1

Übersicht

POMT1 kodiert ein Enzym, das für die O-Mannosylierung von Alpha-Dystroglykan essentiell ist. Dieser posttranslationale Modifikationsprozess ist kritisch für die Funktion von Dystroglykan, einem Protein, das Muskelzellen mit der extrazellulären Matrix verbindet. Mutationen in POMT1 führen zu schweren kongenitalen Muskeldystrophien mit Augen- und Gehirnanomalien.

📍 Chromosomale Position

9q34.13 (Chromosom 9)

🧬 Gen-Kategorie

Erbkrankheiten

🔬 Vererbung

Autosomal rezessiv

📊 Prävalenz

Sehr selten (<1:100.000)< /p>

Funktion & Bedeutung

POMT1 bildet zusammen mit POMT2 einen Enzymkomplex, der O-Mannose-Zucker auf Serin- und Threonin-Reste von Alpha-Dystroglykan überträgt. Diese Glykosylierung ist essentiell für die Bindung von Dystroglykan an Laminin und andere Komponenten der extrazellulären Matrix.

Bei Mutationen in POMT1 ist die Glykosylierung von Dystroglykan gestört, was zu einer Schwächung der Verbindung zwischen Muskelzellen und der extrazellulären Matrix führt. Dies resultiert in Muskelschwäche, Degeneration und den charakteristischen Augen- und Gehirnanomalien.

🔬 Dystroglykanopathien

Dystroglykanopathien sind eine Gruppe von Muskeldystrophien, die durch defekte Glykosylierung von Alpha-Dystroglykan verursacht werden. Neben POMT1 können auch Mutationen in POMT2, FKTN, FKRP und anderen Genen ähnliche Phänotypen verursachen. Das Spektrum reicht von milden Limb-Girdle-Muskeldystrophien bis zum schweren Walker-Warburg-Syndrom.

Assoziierte Krankheiten

  • 🧠 Walker-Warburg-Syndrom (WWS)

    Schwerste Form: kongenitale Muskeldystrophie, Lissenzephalie (glatte Gehirnoberfläche), Augenanomalien, oft lebensbedrohlich im Säuglingsalter

  • 💪 Limb-Girdle Muskeldystrophie Typ 2K (LGMD2K)

    Mildere Form mit Muskelschwäche im Schulter- und Beckengürtel, später Beginn

  • 👁️ Kongenitale Augenanomalien

    Mikrophthalmie, Katarakt, Netzhautdysplasie

🧬 Relevante SNPs

rs121908120 9:132458677
Allel 1
G
/
Allel 2
C

Bedeutung: c.598G>C (p.A200P, Ala200Pro) - Pathogene Variante, die zu kongenitaler Muskeldystrophie führt. Diese Mutation beeinträchtigt die Enzymaktivität und führt zu reduzierter Dystroglykan-Glykosylierung.

⚕️ Klinische Bedeutung

Die Diagnose erfolgt durch Muskelbiopsie (reduzierte Dystroglykan-Glykosylierung), Bildgebung des Gehirns (Lissenzephalie, Hydrozephalus) und genetische Tests. Eine frühe Diagnose ist wichtig für die genetische Beratung und Familienplanung.

Management: Supportive Therapie mit Physiotherapie, Atemunterstützung, Ernährungsmanagement. Keine kausale Therapie verfügbar, aber Gentherapie-Ansätze in präklinischer Entwicklung.

Prognose: Walker-Warburg-Syndrom hat eine sehr schlechte Prognose mit Lebenserwartung oft unter 3 Jahren. Mildere Formen (LGMD2K) haben bessere Prognose mit normaler Lebenserwartung.

📚 Datenquellen

Die Informationen auf dieser Seite basieren auf folgenden wissenschaftlichen Quellen:

  • OMIM: #607423 (POMT1), #236670 (Walker-Warburg Syndrome)
  • dbSNP: rs121908120
  • ClinVar: Pathogene POMT1-Varianten
  • PubMed: Literatur zu Dystroglykanopathien
  • Orphanet: ORPHA906 (Walker-Warburg syndrome)

Letzte Aktualisierung: Feb. 2026

Alternative Bezeichnungen

LGMD2K MDDGA1 CAV

Verwandte Gene