Der Bakterien-Detektor im Darm
NOD2 (auch CARD15 genannt) ist ein wichtiges Protein des angeborenen Immunsystems. Es wirkt als intrazellulärer Detektor für bakterielle Zellwandbestandteile. Besonders im Dünndarm ist es entscheidend, um schädliche Bakterien zu erkennen und die Integrität der Schleimhaut zu bewahren.
16q12.1 (Chromosom 16)
Immunsystem
Komplex / Multifaktoriell
Varianten bei ca. 10-15% der Bevölkerung
NOD2 erkennt Muramyl-Dipeptid (MDP), ein Element der bakteriellen Zellwand. Sobald NOD2 MDP bindet, aktiviert es Signalwege (wie NF-kB), die Entzündungsprozesse einleiten und antibakterielle Substanzen freisetzen lassen. Ein Defekt in diesem System führt dazu, dass Bakterien die Darmbarriere leichter überwinden können.
NOD2 war das erste Gen, das eindeutig mit Morbus Crohn, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED), assoziiert wurde. Mutationen führen Paradoxerweise oft zu einer *verminderten* anfänglichen Immunantwort auf Darmbakterien, was später zu einer überschießenden, chronischen Entzündung führt.
Drei Hauptmutationen im NOD2-Gen sind für das erhöhte Crohn-Risiko verantwortlich:
Arg702Trp:
Diese Variante beeinträchtigt die bakterielle Erkennung. Träger haben ein ca. 2- bis 4-fach
erhöhtes Risiko für Morbus Crohn.
1007fs (Leu1007fsTer2):
Führt zu einem verkürzten, funktionslosen NOD2-Protein. Dies ist die stärkste bekannte
Risiko-Variante für Morbus Crohn (bis zu 15-faches Risiko bei Homozygotie).