HIV-Eintrittspforte & Resistenz-Variante
CCR5 kodiert einen Rezeptor auf der Oberfläche von weißen Blutkörperchen (insbesondere T-Zellen). Dieser Rezeptor reguliert die Einwanderung von Immunzellen in entzündetes Gewebe. Bekanntheit erlangte er vor allem, weil er als Co-Rezeptor dient, den HIV-Viren benötigen, um in menschliche Zellen einzudringen.
3p21.31 (Chromosom 3)
Immunsystem
Autosomal-rezessiv (für Resistenz)
~1% der Europäer sind homozygot (resistent)
Der CCR5-Rezeptor ist ein Chemokin-Rezeptor, der Signale empfängt, um Immunzellen zu Entzündungsherden zu leiten. Während er eine wichtige Rolle bei der Abwehr bestimmter Infektionen spielt, nutzen ihn viele HIV-Stämme (R5-trop) als "Ankerpunkt", um an die Zelle anzudocken.
Vor etwa 1.000 bis 3.000 Jahren entstand in Nordeuropa eine Mutation: Eine Lücke von 32 Basenpaaren im CCR5-Gen. Menschen, die zwei Kopien dieser Mutation haben (homozygot), bilden keinen funktionalen CCR5-Rezeptor an der Zelloberfläche und sind daher weitgehend resistent gegen eine HIV-Infektion.
Dieser berühmte SNP (eigentlich eine InDels-Variante) beschreibt die CCR5-Delta32 Mutation:
Interpretation:
I/I: Normale CCR5-Expression. Normales Risiko für HIV-Infektion.
I/D: Einschneidender Schutz. Der Krankheitsverlauf bei AIDS kann deutlich
verlangsamt sein.
D/D: Vollständiger "Knockout" des Rezeptors. Weitreichende Resistenz gegen
gängige HIV-Stämme.
Die Resistenz gegen HIV hat einen Preis: Träger der Delta32-Mutation haben ein leicht erhöhtes Risiko für schwere Verläufe von West-Nil-Virus und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), da der CCR5-Rezeptor für die Abwehr dieser Viren im Gehirn benötigt wird.